Nachhaltigkeit SelbstLiebe

Warum definieren wir uns über Stress?

30. Mai 2018

Ihr Lieben, 

heute morgen, als ich mit einer lieben Freundin ganz gemütlich beim Frühstück im Hofladen der Domäne Fredeburg saß, fragten wir uns gegenseitig ganz ehrlich: 

„Warum definieren wir uns über Stress?“ 

Denn wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, dann tun wir das. 

Trifft man sich mit anderen Selbstständigen, ist oft die erste Frage: „Und, hast du gerade auch so viel zu tun wie ich?“ oder eine Aussage wie „Booaah, ich hab gerade so viel Stress, geht dir sicher auch so.“ wird gleich zu Anfang in den Raum geworfen.  

Ich selbst hab mich mehr als einmal dabei erwischt und mich später gefragt, warum ich sowas überhaupt sage und welchen Zweck das überhaupt hat.

Natürlich, es gibt sie diese stressigen Zeiten. Das zu leugnen wäre Unsinn, aber wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, hab ich mir doch über die letzten Jahre ein Arbeitsmodel erschaffen, welches genau diese Form von Stress vermeiden soll. 

Ich will keinen Stress.

Ich will nicht komplett ausgebucht sein.

Und ich will nicht immer in Gesprächen gefangen sein, in denen es nur darum geht wie geil man doch ist, weil man so viel zu tun hat. 

Warum definieren wir uns über Stress

Na wenn du es dir leisten kannst…

Dieses freiere und vor allem stressfreiere Modell hab ich mir hart erarbeitet und das Einzige was der Gesellschaft immer dazu einfällt ist: „Na wenn du es dir leisten kannst…“ 

Schaden herrje, ist es wirklich eine Frage des KÖNNENS oder eher eine Frage des WOLLENS? Und wie jemand stressfreier definiert ist dann ja auch wieder die nächste Frage. 

Ich arbeite extrem gern und doch möchte ich eben nicht mehr diesen Stempel „selbst und ständig“ tragen (und das hört sich täglich ca. einmal…), denn wenn wir ganz ehrlich zu uns selbst sind, dann tut uns doch genau so etwas überhaupt nicht gut. (Auch dann nicht, wenn wir angestellt sind.) 

Diese ewige Rechtfertigung…

Was mir dagegen so wirklich gut tut,  sind neben der Arbeit – die ich liebe – ganz bewusste Auszeiten. Die Möglichkeit mal zu sagen: „Das mache ich morgen, oder heute Abend.“ Und ja, ich weiß, dass das ein riesiger Luxus ist, denn sich nicht jeder erlauben kann. (Und auch hier rechtfertige ich mich ständig mit: „Ja, aber ich sitze dafür am Abend so viel länger am Schreibtisch..“ Sollte das nicht einfach mal egal sein?) Die Tatsache, dass sich das nicht jeder erlauben kann, macht mich immer wieder traurig! Trotzdem habe ich so sehr die Hoffnung, dass sich unser stupides 8 Stunden Arbeitszeit System irgendwann einmal löst und alle feststellen, dass die meisten Menschen mit freierer Zeiteinteilung so viel besser arbeiten würden und es – da bin ich sehr sicher – vielen Menschen deutlich besser gehen würde. 

Worauf ich hier hinaus möchte? 

Ich wünsche mir von Herzen, dass ihr eure freie Zeit wieder ganz bewusst genießt. Jede freie Minute für euch als etwas ganz besonderes definiert und euch nicht ein schlechtes Gewissen einreden lasst, nur weil jemand sagt: „Also ich hab so viel zu tun, ich habe dafür keine Zeit.“ 

Genießt eure Mittagspause in vollen Zügen, genießt euren Feierabend und zelebriert diese Zeit. Kein Mensch wird besser, schöner, reicher, toller…wenn er alles dafür tut, um nach außen immer MEHR zu sein, MEHR zu haben, MEHR zu wollen, MEHR zu arbeiten. 

Fangt wieder damit an, auch mal an euch selbst zu denken und freie Zeit als etwas wunderbares zu sehen und nicht, was einem irgendwie schon fast peinlich sein muss.

Warum definieren wir uns über Stress

Wisst ihr überhaupt noch, wie schön es ist barfuß durch die Natur zu spazieren, an nix zu denken und einfach nur zur spüren? Nein? 

Dann geht jetzt kurz raus, zieht die Schuhe aus und lasst mal fünf Minuten alles andere nebensächlich sein! 

Auf das wir es irgendwann schaffen uns mal weniger über den Stress zu definieren! 

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3 Comments

  1. Reply Jessica Brodersen 30. Mai 2018 at 13:37

    Liebe Franzi,

    Das hast du wieder sehr schön geschrieben. Mir geht es ähnlich. Ich bin ziemlich oft sehr gestresst, auf Grund von Haus, Garten, Teilzeitarbeit und ein bisschen auch von meinen Kids. Und wenn ich ehrlich bin, kann und möchte ich gar nicht mehr arbeiten. Denn weniger ist manchmal mehr. Ich genieße es wie jetzt gerade auch, fast jeden Tag mit den Kids draußen auf der Terrasse zu Mittag zu essen, mit den kleinen ihre Freizeit zu gestalten und gleich mit den beiden an „unseren“ See zu fahren und mich mit Feunden zu treffen. Das ist das, worauf ich hingearbeitet habe und genieße es natürlich auch, 2 Tage in der Woche Geld zu verdienen, nicht viel aber für mich reicht es und ich sehe meine kleinen aufwachsen…. Lg Jessi

    • Reply Franzi 7. Juni 2018 at 12:03

      Oh Jessi Herz, das hast du so schön gesagt! <3

  2. Reply Melanie 17. Juni 2018 at 11:23

    Natürlich weiß ich, was du meinst.
    Und ja, ich schaffe es von Jahr zu Jahr mehr, weniger zu arbeten und mehr freie Zeit zu haben. Für meine Familie, aber auch für mich. Ehrlich: das wissen meine Kunden kaum, denn so entsteht schnell der Eindruck, ich sei faul (zumindest glaube ich das).
    Unter Kollegen bin ich da offener. Und unter Freunden auch. Und GENAU DIESER Satz kommt dann. „Na, wenn du dir das erlauben kannst…“.
    Dieser Satz kommt aber auch aus Neid. Neid auf unsere ‚Freiheit‘ und der kostbaren Zeit, die wir uns nehmen (sie aber nicht). Aktuell habe ich wieder eine sehr volle, arbeitsreiche und stressige Zeit und sehne mich schon nach meiner nächsten Auszeit, die ich mit meinem Kind verbringen werde. Ich liebe meine Arbeit, ich liebe es auch, mich da voll reinzuhängen und mein ganzes Herzblut zu investieren….aber nicht mehr rund um die Uhr und nicht mehr zu jedem Preis. Meine Arbeit soll ein Teil meines Lebens sein, nicht mein Leben :)
    Und viele trauen es sich eben nicht, noch werden Woraholics gefeiert und nicht diejenigen, die achtsamer mit ihren Ressourcen umgehen. Ich persönlich bedaure solche Menschen und bin froh, dieses Denken nicht mehr in mir zu tragen.

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